Maschinen übernehmen die Arbeit der Menschen

Nehmen Maschinen uns Menschen die Arbeitsplätze weg? – Ja, und das ist auch sehr gut so! Das entspricht dem Ideal eines modernen Deutschlands.

Wöchentlich berichten die Nachrichten über die aktuelle Arbeitssituation in Deutschland, Beschäftigungszahlen, Arbeitslosenquoten und dem Oberziel der politischen Mitte, die sogenannte Vollbeschäftigung, statt uns von der Arbeit befreien zu wollen.

Das Recht auf Arbeit ist zur politischen Propaganda geworden. Der traditionelle Konsens lautete, wer nicht arbeitet, hat auch kein Recht auf Wasser und Brot. Wer heute nicht arbeitet, hat in Deutschland immerhin ein Recht auf Sozialleistungen, einem sogenannten Existenzminimum. “Wir müssen den Menschen Arbeitsplätze verschaffen”. “Arbeit muss sich wieder lohnen”. “Wir müssen schon junge Menschen in Arbeit bringen”. Solche Slogans hören wir Zuschauer in Politik-Talkshows immer und immer wieder.

Die Verherrlichung der Arbeit ist uns anerzogen. Fleißige Tiere, Vorbilder aus der Natur, wie gehorsame Bienen und Ameisen oder Vorräte bildende Bären oder Eichhörnchen galten da schon lange als eine Art Vorbild auch für den Menschen. Allerdings sollten uns die letzten Jahrhunderte gezeigt haben, dass der Mensch auch ganz andere Konzepte für die Gesellschaft umsetzen konnte und dass er Dinge schaffen kann, die Aufgaben im Automatismus abarbeiten konnten – Die Maschinen.

Die Maschinen nehmen uns Menschen die Arbeit ab, sie verdrängen uns regelrecht aus der Arbeit – Zu diesem Fazit kommt beispielsweise auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dies zeigt sich im privaten Alltag, Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen, Roboterstaubsauger, Fahrstühle und Computer (z. B. E-Mails versenden anstatt zur Post laufen zu müssen) nehmen uns bereits einen Großteil der Hausarbeit ab. Noch krasser zeigt sich dieser Trend in der Landwirtschaft und Industrie, denn früher kannten wir erst den Acker und dann die Fabriken noch als Treffpunkte der Menschenmassen. Mehr als ein Landwirt ist schon lange nicht mehr nötig, um mehrere Hektar Land bewirtschaften zu können. In der Industrie bestehen seit zwei Jahrzehnten ganze Produktionslinien der Massenproduktion, jedoch zunehmend auch der flexiblen Kleinserienfertigung, nahezu komplett aus Robotern und automatisierten Produktionsanlagen. In Indien, Vietnam und China mögen sich Menschenhände als Produktionsmittel sicherlich noch einigermaßen wirtschaftlich einsetzen lassen, mit steigenden Löhnen werde diese jedoch durch Robotik – das ist die Kombination aus Mechanik, Elektronik und Informatik – ersetzt.

Industrie klingt dem Alltag zu fern? Auch in alltäglichen Geschäften wird der Mensch als Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt werden. Für die Müllabfuhr gibt es beispielsweise schon Konzepte der 100%-Automatisierung, Fahrer und Piloten für öffentliche und private Verkehrsmittel werden irgendwann zur exotischen Attraktion werden und in nicht allzu ferner Zukunft können Sie mit Ihrem Einkaufswagen einfach durch die Kasse fahren und Ihren Einkauf dabei sofort bezahlen, ohne auch nur einen Finger gerührt zu haben oder einer Kassiererin begegnet zu sein.  Fenster werden sich wie von Geisterhand selbst putzen, Toiletten werden sich selbst reinigen. Und Ihr Papierkram? Darum werden sich IT-gestützte Workflows kümmern und ihre Börsengeschäfte laufen komplett über von Ihnen ausgewählte, jedoch sich selbst optimierende Algorithmen.

Sicher, der Mensch wird niemals komplett als Arbeitskraft ersetzt werden. Maschinen müssen entwickelt, gewartet, repariert und auch wieder entsorgt werden. Das geht heute zwar auch schon alles mit Unterstützung durch andere Maschinen, jedoch ist dabei immer noch das menschliche Gehirn die treibende Kraft. Ersetzt wird der Mensch bei vergleichsweise einfacheren, vor allem aber physischen (körperlichen) Arbeiten. Für das, wofür früher 100 Menschen notwendig waren, wird heute nur noch ein Ingenieur oder Techniker benötigt. Der Trend ist beinahe unausweichlich und die Vollbeschäftigung wird mit jeder Hannover Messe unrealistischer, selbst wenn wir eine vorbildliche Bildungspolitik hätten (was nicht der Fall ist).

Die Verherrlichung der Menschenarbeit wird nicht hinterfragt, zumindest nicht von den meisten Menschen. Erziehung aus vergangenen Zeiten wirkt nachhaltig. Dabei stehen wir dank unserer technischen Möglichkeiten vor der Chance, ein Umdenken zum Wohle der Allgemeinheit erreichen zu können. Die Wertschöpfung wird heute schon zum Großteil durch Maschinen erbracht. Diese Entwicklung wird aus Angst vor Arbeitslosen künstlich gebremst. Aber warum nicht das Ziel aufstellen, Menschen von der Arbeit zu befreien?

Anregender Lesestoff: Maschinenarbeit statt Menschenarbeit - ein Jahrtausendtraum (Günther Moewes)

Das bedingungslose Grundeinkommen könnte der notwendige Schritt in diese Richtung sein, denn Menschen würden von der Wertschöpfung profitieren. Mit Grundeinkommen wird ein Mindestlohn überflüssig, denn Menschen wären freier und könnten ihre Arbeit selbstbestimmt aufnehmen, denn wahr ist, dass jeder Mensch eine oder mehrere Beschäftigungen braucht, jedoch selbstbestimmt. Eine Toiletten-Putzfrau ist dann nur noch für 25 Euro pro Stunde zu finden? Grundlegende Arbeiten sind nun Mal ihr Geld wert, aber keine Sorge, der technische Fortschritt wird auch diese Lücke schließen, mit sich selbstreinigenden Toiletten zum Beispiel – Der Weg in ein modernes Deutschland.

Abgelegt in: Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik Comments Off April 2013